Cynthia Ozick: Miss Nightingale in Paris

Beatrice Nightingale erhält einen Auftrag, vielmehr einen Befehl. Für ihren Bruder Marvin soll sie nach Paris reisen um den abtrünnigen Neffen zur Rückkehr nach Amerika zu bewegen. Ohne es zu wollen, wird Beatrice immer mehr in Marvins Familienangelegenheiten involviert. Und das, obwohl jahrelang Funkstille zwischen den Geschwistern herrschte.

_Miss Nightingale in ParisSommer 1952: Während ihrer Europareise soll Beatrice Nightingale mal eben in Paris ihren abtrünnigen Neffen Julian aufstöbern und zur Heimkehr in den Schoß der Familie bewegen. Nach Jahren der Funkstille hat ihr Bruder Marvin aus Kalifornien ihr diesen Auftrag … nein, eher Befehl erteilt.
Beatrice kann den jungen Mann allerdings nicht ausfindig machen. Zurück in New York unterrichtet sie ihren Bruder per Brief davon. Der herrische Marvin kann dieses Scheitern nicht einfach hinnehmen. Er überhäuft Bea mit Vorwürfen, verlangt, dass sie erneut nach Paris reist, sobald Julians aktuelle Adresse bekannt ist. Ihren Job als Lehrerin nimmt Marvin nicht weiter ernst oder zumindest nicht so ernst wie seine eigenen Geschäfte. Und einen Ehemann und Kinder hat sie ja ohnehin nicht, vielmehr ein trauriges Leben. Gemäß seinem Plan, soll seine pflichtbewusste und verantwortungsvolle Tochter Iris nach New York reisen, um Beatrice mit Julians Wesen vertraut zu machen. Damit sie bei ihrer erneuten Parisreise mehr Erfolg hat.
Iris hingegen hat ganz andere Pläne. Sie trifft sich zwar mit Beatrice, dieser unbekannten Tante, doch nur, um sie in ihre eigenen Pläne einzubeziehen. Denn Iris will selbst nach Paris reisen, um ihren Bruder zu sehen. Es obliegt Beatrice mit Marvin zu sprechen und ihre Nichte zu decken.
Aufgewühlt durch den Besuch ihrer Nichte, unternimmt Beatrice wenig später tatsächlich eine weitere Reise in die französische Hauptstadt. Sie macht sowohl Julian als auch Iris ausfindig. Das Geschwisterpaar lebt ohne Einkommen und realistische Pläne in den Tag hinein. Die fremde und ungebetene Tante stoßen sie zurück.
Zurück in Amerika wandelt Beatrice sowohl auf ungewohnten als auch auf alten Pfaden. Denn Marvins Unternehmungen betreffen auch ihre Vergangenheit, der sie sich nun stellen will.

Erwartungen nicht erfüllt

Das ist eines der Bücher, bei dem mich der Klappentext in die Irre geführt hat. Leider. Die Vorstellung einer frisch geschiedenen Amerikanerin, die – zunächst aus Familiensinn – nach Paris reist, für sich die Stadt der Liebe entdeckt, aus ihrem bisherigen Leben ausbricht, neue Erfahrungen und vielleicht den ein oder anderen Liebhaber sammelt, hat sich nicht erfüllt.
Beatrice ist nicht „frisch geschieden“. Und sie bleibt auch nicht in Paris hängen. Von Paris bekommt man ohnehin kaum etwas mit. Das Buch ist ein einziges Intrigengeflecht, in dem sich alle verfangen und keiner unschuldig ist. Während Marvins Beweggründe noch halbwegs nachvollziehbar sind (wenn auch nicht gutzuheißen), sind die Handlungen und Entscheidungen von Beatrice mir völlig fremd geblieben. Sie, die sich aus allem heraus halten könnte, mischt sich auf unverzeihliche Weise ein.
Eine Lektüre, die mich nach Schließen der Buchdeckel, fragen lässt „Und nun? Was wollte das Buch mir sagen?“ Ein Vater, der sich verrennt, zwei Kinder, die mehr oder minder erfolgreich gegen dessen Herrschsucht aufbegehren und im Leben stehen und eine Tante, die jahrelang in der Vergangenheit lebt und es trotz Veränderungen auch weiterhin tun wird.
Von der Sprache her durchaus lesenswert, haben mich die Story und ihre Figuren ganz und gar nicht überzeugt.

 

Autorenporträt
Cynthia Ozick, geboren 1928 in der Bronx als Tochter eines jüdisch-litauischen Apothekers, gehört zu den großen amerikanischen Erzählerinnen der Gegenwart; sie wurde als geistige Erbin von Kafka und Henry James bezeichnet. Ihr Werk ist vielfach preisgekrönt, u.a. mit dem PEN/Nabokov Award und mit dem National Book Critics Award. Ihre Erzählung Der Schal ist in den USA Schullektüre.

Buchinfo
„Miss Nightingale in Paris“ von Cynthia Ozick, erschienen Oktober 2014 bei Graf,
Hardcover gebunden mit Schutzumschlag, 368 Seiten, € 22,99, ISBN-13 9783862200399
eBook: Format: ePub, 368 Seiten, € 19,99, ISBN-13 9783843709279

Quellen
Bild: www.ullsteinbuchverlage.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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