Anekdoten aus Schottland 12: Auf Orkney – Der Abend

Das Wetter meint es wirklich gut mit mir. Die Sonne scheint. Gemeinsam mit den Wolken am Himmel beschert sie mir eine Wahnsinns-Abenddämmerung. Ich kann gar nicht genug Bilder davon machen.

Versenktes dt. Schiff in Scapa Flow

Versenktes dt. Schiff in Scapa Flow

Die vermeintlichen Robbenplätze sind verwaist – egal wo ich auch anhalte. Aber am nächsten Tag werde ich ja hoffentlich wieder welche sehen. An der Bucht von Scapa Flow halte ich an verschiedenen Stellen. Im rötlichen Abendlicht ist die Stimmung richtig romantisch, trotz oder vielleicht wegen der recht dramatischen Szenerie. Es lässt sich schlecht beschreiben, aber es ist der schönste Abend meines ganzen Urlaubs. Am liebsten würde ich die Zeit anhalten. Die Welt wirkt friedlich und dieser besiegte Metallriese im Meer lehrt Demut. Dabei ist das nur ein Bruchteil der einstmals versenkten deutschen Flotte. Ich fühle mich klein und irgendwie gesegnet (obwohl ich nicht gläubig bin), dass ich ausgerechnet in diesem Moment dort stehen kann, wo ich mich befinde.

Direkt neben Scapa Flow gibt es eine weitere geschichtsträchtige Stätte: The Italian Chapel. Auch hier ein wenig Geschichte dazu. Auf Orkney befindliche italienische Kriegsgefangene vom Zweiten Weltkrieg, haben während ihrer Internierung aus zwei kleinen, unscheinbaren Nissenhütten eine hübsche Kapelle für sich gemacht. Sie steht einsam und wirkt regelrecht winzig. Es ist bereits 20 Uhr als ich dort anlange und der kleine Parkplatz ist leer. Meine Befürchtung die Kapelle verschlossen vorzufinden ist unnötig. Die Front sieht tatsächlich aus wie bei einer Kirche, ist weiß mit ziegelroten Verzierungen. Auf dem Giebeldach ein Kreuz. Vor dem blau-weißen Himmel und mitten im grünen Gras, wirkt es unwirklich. Wie gemalt.

The Italian Chapel - unwirkliche Szenerie

The Italian Chapel – unwirkliche Szenerie

Ich betrete die Kapelle. Stille umfängt mich in dem länglichen Raum. Er ist fast leer und freundlich hell. Die Wände tragen unaufgeregte ziegelrote Ornamente auf einem cremefarbenen Grund. Hier gibt es keine Bänke. Kurz hinter der Tür stehen lediglich Ständer mit Infobroschüren, die ein wenig an Raumteiler erinnern. Von mir weg durch den Raum führt ein ausgeblichener roter Teppich. An Ende des Teppichs ist der Altar mit einem kunstvollen Metallgitter abgetrennt. Kein Brimborium mit Gold und Glitzer im Altarraum. Schlicht, aber beeindruckend ziert ein Bild der Jungfrau Maria den hinteren Bereich.

Ein wenig mulmig ist mir schon so ganz alleine. Ich habe Schiss, dass die Kapelle doch noch abgeschlossen wird, während ich drin bin. Auch wenn ich es toll finde, den Anblick nicht mit einer Busladung Touristen teilen zu müssen, die schnatternd und blitzend mit ihren Kameras umher rennen. Ich bin kein religiöser Mensch, aber ich mag diese kleine Kapelle, die so eine bitter-süße Geschichte hat.

Nachdem ich mich von der Kapelle losgerissen habe, fahre ich einfach so noch ein wenig durch die Gegend. Steige hier und dort mal aus, um Bilder zu machen, Feldhasen zu beobachten oder einfach in den Himmel und die Landschaft zu schauen.

Orkney hat mich mehr beeindruckt als ich jemals gedacht hätte und ich bin sehr froh, mich für den Besuch hier entschieden zu haben.

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