Renate Bergmann: Wir brauchen viel mehr Schafe

Renate Bergmann beschäftigt sich schon im Sommer mit Weihnachten. Nicht nur hat sie alle Weihnachtsgeschenke schon gekauft. Es steht auch schon im Kalender wann der Christstollen gebacken werden muss. Als sie erfährt, dass ausgerechnet die singende Frau Schlode sich um am 4. Advent den gemeinsamen Kirchennachmittag gestaltet, geht ihr das zu weit. Dagegen muss etwas unternommen werden. Renate Bergmann greift zu radikalen Mitteln.

Renate Bergmann live: „Letzte Weihnachten hat er ein Heißklebegewehr geschenkt bekommen. Nein, eine Pistole, eine Heißklebepistole. Sie wissen schon, was ich meine. Jedenfalls konnte Ilse das Gerät nicht gleich wegschließen, und er klebte alles fest, was ihm in die Finger kam, sogar die Kuchengabeln an den Küchentisch. Kurt kann sich über solche Streiche ja freuen wie ein kleines Kind. Männer sind da … ja. Sie sind eben so.“ (Zitat Seite 114)

_wir-brauchen-viel-mehr-schafeSchon im Sommer hat Renate Bergmann, ihres Zeichens 82 Jahre alt und mehrfache Witwe, alle Weihnachtsgeschenke zusammen. Da kommt sie ganz nach ihrer Oma Strelemann, die schon wusste, dass alles was kein Brot isst, gebunkert werden kann. (Oder wie meine Mama sagt: „Das kann liegen, es frisst und säuft ja nicht.“) Im Kalender ist auch schon eingetragen, wann der Christstollen gebacken werden muss, damit er zur Weihnachtszeit schön durchgezogen und mürbe ist.
Bei einem ihrer regelmäßigen Kirchenbesuche, erfährt Renate Bergmann schon frühzeitig, dass der diesjährige Kirchennachmittag am 4. Advent von Frau Schlode gestaltet wird. Ausgerechnet die Schlode! Die sowieso schon ungefragt zu jedem Geburtstag, jeder Goldenen Hochzeit und auch jeder anderen Feier auftaucht und mit ihren Kindergartenkindern singt und tanzt. Das wäre halbsoschlimm, würde die Singerei nicht immer so ewig dauern, dass ständig der Kaffee kalt und der Kuchen trocken würde. Neuerdings hat die Schlode ja auch den Männerchor unter ihrem Zepter. Mit denen kommt sie jetzt auch schon zu Beerdigungen! Und wenn die Horde dann noch zum Fellversaufen bleibt, dann haben Renate und Gertrud das Nachsehen was die Verpflegung angeht. Dann bleiben nämlich die Tupperdosen leer. Sehr ärgerlich.
Dem muss Renate Bergmann einen Riegel vorschieben. Leider tragen ihre Kuppelversuche keine Früchte. Es wäre doch schön gewesen, wenn die Schlode sich um einen Mann kümmern könnte und dafür weniger singen würde. Da ist sie aber ziemlich renitent.
Also lässt Renate Bergmann sich kurzerhand selbst vom Pfarrer dazu beauftragen, den 4.Advent-Nachmittag in der Kirche zu gestalten. Die Schlode kickt sie aus dem Rennen indem sie die einfach auf eine „Bjutiefarm“ schickt. Mit ihren Freunden Ilse und Knut sowie Gertrud und Gunter arbeitet sie ein Programm aus an dem sowohl Kinder, Eltern und auch Rentner teilnehmen sollen. Ein Mehr-Generationen-Projekt soll es werden. Und natürlich braucht man für das Krippenspiel Schafe. Viel mehr Schafe.

Köstliche Unterhaltung

In gewohnt lustiger Manier schreibt Renate Bergmann über ihr Leben und die Ereignisse rund um den Advent. Ich habe mich wieder einmal köstlich amüsiert über Renates Gezeter über Frau Schlode, die in diesem Buch ziemlich ihr Fett wegkriegt. Natürlich kommen auch Geschichten über alle anderen nicht zu kurz: die Freunde Ilse und Kurt, Gertrud und Gunter, die Nachbarinnen Frau Meiser und Frau Berber samt Sprösslingen, Neffe Stefan und dessen Frau Ariane und nicht zu vergessen Renates Tochter Kirsten.
Ich habe das glaube ich schon beim letzten Buch geschrieben und wiederhole es gern: Es ist als würde man seiner Oma zuhören. Einer Oma mit viel Humor, die sich bei Beerdigungen einschleicht, im Cafe die Tasse mitgehen lässt und unermüdlich Topflappen häkelt.
Eine wunderbar leichte Lektüre, die man ratzfatz durch hat. Sehr kurzweilig und lustig. Und auch mit einem leicht erhobenen Zeigefinger, was den Umgang miteinander angeht. Ein schönes Buch um abzuschalten. Vielleicht sogar schon ein Geschenketipp für Weihnachten.

Mehr von Renate Bergmann:

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Autorenporträt
Renate Bergmann, geb. Strelemann, wohnhaft in Berlin. Trümmerfrau, Reichsbahnerin, Haushaltsprofi und vierfach verwitwet: Erst eroberte sie Twitter – und mit ihren Büchern dann die ganze analoge Welt. Torsten Rohde steckt hinter dem Twitter-Account @RenateBergmann. „Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker“ war seine erste Buch-Veröffentlichung – und ein sensationeller Erfolg, auf die mittlerweile etliche weitere, nicht minder erfolgreiche Bände und ausverkaufte Lesetouren folgten.

Buchinfo
„Wir brauchen viel mehr Schafe“ von Renate Bergmann, erschienen bei rororo
Taschenbuch: 176 Seiten, € 10,00, ISBN:  978-3-499-27289-9
eBook: 176 Seiten, € 9,99, ISBN:  978-3-644-40004-7

Quellen
Bild/Autorenporträt: www.rowohlt.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

 

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