Borneo: Selamat tinggal, Kinabatangan. Selamat siang, Kota Kinabalu.

Freitag, 05. Mai 2017

Die Kurzfassung:
Ich werde wach wegen der Affen. Eigentlich ist es eher die Angst vor den Affen, aber egal. Morgendliches Schauspiel vor meinem Fenster: Ein Affe springt ständig gegen das Fenster am Häuschen gegenüber. Der Geräuschpegel ist enorm. Wenig später klebt er comicreif auch an meiner Scheibe.
Rückfahrt nach Sandakan, dort Besuch des Marktes, Mittagessen im Nobelhotel und Flug nach Kota Kinabalu. Auch hier Besuch eines Marktes am Abend, essen von exotischen Früchten und Hühnerarsch am Spieß. Ich erfahre die Wahrheit über Nasi Goreng. Außerdem es heißt Abschied nehmen von der Reisegruppe. 🙂 Und auch von Tom. 😦

 

Und jetzt ausführlich:

Gepolter weckt mich. Das typische Geräusch von Affen, die auf Holzplanken springen, wie ich inzwischen weiß. Es ist halb sechs und die Dämmerung setzt gerade ein. Ich bin alarmiert. Wurden wir doch vor den Affen gewarnt, die in die Cabins eindringen, wenn man die Fenster offen hat.
Klar habe ich über Nacht wenigstens eins der drei Fenster geöffnet, um ein wenig Luft reinzulassen. Das zum Plankenweg hin, sollte ja sicher sein, dachte ich. Ich stehe auf und gehe leise zum Fenster. Vorsichtig schiebe ich die Gardine beiseite und keine Minute zu früh. Auf einem der geöffneten Fensterflügel sitzt ein Affe. Er guckt mich an. Ich gucke zurück und mach „kschhh“. Er guckt immer noch. Mein Versuch ihn zu vertreiben langweilt ihn wohl.
Vorsichtig schiebe ich das Fliegengitter beiseite, strecke langsam den Arm aus und ziehe noch viel vorsichtiger den unbesetzten Fensterflügel heran. Jetzt hüpft der Affe aufs Geländer vom Plankenweg. So schnell es geht, mache ich das Fenster zu und atme durch. Puh. Erst jetzt wundere ich mich, dass der Affe, den ich eigentlich für einen Makaken halte so dunkles, sogar eher rostrotes Fell hat. Gibt es rote Makaken? Aber er sieht eher wie ein Haubenlangur aus. Ich bin verwirrt.

Wie im Comic klebt der Affe an meinem Fenster

Es knallt und ich blicke wieder nach draussen. Der Affe springt gerade am Häuschen gegenüber volle Lotte ans Fenster. WTF????!!!! Man könnte meinen, er merkt, dass das Fenster zu ist und verzieht sich oder versucht es woanders, aber nein. Er springt wieder und wieder an die geschlossene Scheibe.
Einer der Angestellten läuft den Weg entlang und bleibt stehen. Der Affe sitzt auf einem Baum und guckt unschuldig. Die beiden beobachten sich gegenseitig. Ein schönes Bild. Schließlich haut der Haubenlangur ab. Der Angestellte geht auch. Ich dusche und setze mich an meinen Schreibtisch. Es knallt wieder. Ein Blick aus dem Fenster zeigt, dass die Cabin gegenüber offenbar sehr interessant ist. Dort wohnt das Schweizer Paar drin, wie ich weiß. Na, die kommen heute nicht zum Ausschlafen. Im Sekundentakt springt der Affe vom Baum ans Fenster auf den Baum ans Fenster usw. Was für eine Schau am Morgen. Ich grinse. Ich wende mich wieder meinen Postkarten zu als es hinter mir übel knallt.
Wieder drehe ich mich zum Fenster, hebe die Gardine und wie in einem Comic klebt der Affe mit weit gespreizten Armen an meinem Fenster. Ich bin zu perplex um meine Kamera zu holen. Schnell ist der Affe verschwunden. Von all dem Schauspiel heute früh, habe ich nicht ein einziges Foto gemacht. Aber ich habe mich köstlich amüsiert.
Als es 7 Uhr ist, mache ich mich auf den Weg zum Restaurant. Wir sollen unsere Taschen vor die Cabin-Türen legen, damit die Angestellten sie abholen. Von wegen! Ich lasse meine Tasche doch hier nicht unbeaufsichtigt rumstehen. Nachher wandern meine Schlüpfer, Socken und Shirts durch den Regenwald, weil die neugierigen Affen sich drüber her gemacht haben! Aber ich habe die Angestellten unterschätzt. Es patrouliert einer von Ihnen vor dem Häuschen und nimmt mir sofort mein Gepäck ab. Sehr nett.

Von Hornvögeln verabschiedet

Tom und Sam haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, uns einen Orang Utan im Regenwald zu zeigen und halten fleißig Ausschau. Das Highlight aber ist eine Gruppe von Rhinozeros Hornvögeln. Einer nach dem anderen – bestimmt insgesamt 15 Tiere – steigen rechts aus dem Regenwald auf und fliegen über den Fluss, um links über dem Dschungel wieder zu verschwinden. Was für ein Anblick. Majestätisch und wunderschön.
Bei einem Zwischenstopp an der Abai Jungle Lodge verabschiede ich mich endgültig von Jens und Johann, den beiden großen Waranen. Dann geht’s weiter nach Sandakan. Am Anleger erwarten uns ganz aufgeregt Honey und Money – ein kleiner Schnauzer und ein Mops. Wie wild springen sie um mich rum und ich möchte vor allem Honey am liebsten mitnehmen.
Nach einem kurzen Besuch auf einem Markt gibt es den Lunch heute in einem Hotel. Wir sind früh dran und die einzigen Gäste. Es gibt weit mehr als nur Reis und Huhn und Fisch. Nicht nur Angelika ist darüber glücklich. Die paar freien Minuten nutze ich noch, um meine Füsse ein wenig in den einladend aussehenden Pool zu halten. Es ist weit weniger erfrischend als erhofft, denn das Wasser ist total aufgeheizt.

Abschied von Naturführer Sam

Am Flughafen dann der Abschied von Sam. Vorher interne Beratungen der Reisegruppe wie viel man ihm für seine Arbeit an Trinkgeld gibt. Dieses „Geschacher“ behagt mir nicht. Schon bei Fred, dem Bootsführer war das so. Ich kann irgendwie verstehen, dass man untereinander mal berät wie viel Trinkgeld angemessen ist, weil man sich ja nicht so auskennt. Aber ich mag mir nicht vorschreiben lassen wie viel Trinkgeld ich gebe. Und ich möchte auch keinem sagen wem ich wie viel Geld für seine Arbeit in die Hand drücke. Schließlich ist das ja eine persönliche Angelegenheit, wie gut aufgehoben und betreut ich mich gefühlt habe.
Gudrun fragt mich ständig und geht mir mächtig auf den Zeiger. Sie hat nur noch einen „großen“ Schein, aber ich kann ihr den auch nicht wechseln. Sie möchte, dass wir zusammenlegen. Aber nennt mich kleinlich, ich will das nicht. Für all die Reisen die sie schon gemacht hat in ferne Länder, ist Gudrun verdammt unorganisiert und wirkt vor allem unerfahren. Bei allem fragt sie mehrfach nach, wann was wo und wie gemacht wird. Es ist mir inzwischen ein Rätsel wie sie ihre Reisen allein und ohne Guide bewältigt.

Auf zum bunten Markttreiben

In Kota Kinabalu empfängt uns Regen. Ach was Regen – es schifft wie bekloppt. Dank diverser Überdachungen und der Fahrkünste unseres Busfahrers treffen wir verhältnismäßig trocken im Hotel ein. Dort empfängt uns … ein Pferd? Mit einer Lampe auf dem Kopf??? WTF? Es ist das erste was uns allen auffällt in der Hotellobby – dieses lebensgroße schwarze Pferd, das mit einem entwürdigenden Lampenschirm gekrönt ist.
Es folgt die übliche Verteilung auf die Zimmer und eine Verschnaufpause. Anschließend macht sich Tom mit uns auf den Weg zum Philipinischen Markt. Das ist ein großer Markt an der Waterfront wo man alles kriegt. Obst, Gemüse, getrockneten Fisch, Tee, Gewürze, Schmuck, etc.
In einem Bereich gibt es frisches Geflügel. Berge von Hühnerherzen und anderen Innereien liegen teils auf den bloßen Tischen. Und dann der Fischmarkt! Auf beiden Seiten des schmalen Ganges liegen Unmengen von Fischen, mal zerteilt, mal noch komplett, andere werden gerade zerlegt. Es gibt Papageienfische, Thunfisch, Makrelen, Muscheln, Tintenfisch und was weiß ich nicht noch alles. Wie beim Geflügel liegt der Fisch auf blossen Holztischen, die recht abenteuerlich anmuten. Der Boden ist schmutzig, nass, mit Pfützen und Fischresten übersät. Und dieser Lärm! Jeder Händler preist marktschreierisch seine Ware an. Es ist unglaublich laut. Und ich liebe es! Ich könnte ewig hier stehen und schauen. Ich möchte hier am liebsten einkaufen und dann nach Hause gehen und den Fisch zubereiten. Aber ich glaube nicht, dass man mich in 3 Tagen mit einem stinkenden Papageienfisch ins Flugzeug steigen lässt. *g*

Aufgeregt wie ein Kind: „Tom, was ist das? Und das? Und das hier?“

Tom kauft uns verschiedene Früchte, die es in Deutschland nicht – oder vermutlich nur in speziellen Läden – gibt, damit wir probieren können. Schlangenfrucht zum Beispiel oder eine Frucht die geformt ist wie eine Papaya und innen wie eine Mango ist. Die ultimative Frucht für mich, weil ich beides liebe. Es gibt Guaven mit verschiedenen Gewürzen und Rosenapfel. Und natürlich erklärt er uns auch andere Dinge die es hier gibt. Beispielsweise, dass man auch Bananenblüten zum Kochen verwendet. Oder Ingwerblüten. Tom kauft uns auch an einem der Straßenstände etwas Gebratenes. Ahnungslos stecke ich es in den Mund. Etwas knorpelig, aber sehr lecker. Es ist Hühnerarsch am Spieß, wie ich nachher erfahre.
Der Gang durch den Markt ist eine einzige Freude für meine Augen. Ich mag diese Fülle, all die exotischen und fremden Dinge. Ständig die Frage „Tom, was ist das? Und das? Und das hier?“ Hoffentlich gehe ich ihm nicht auf die Nerven. Ich bin aufgeregt wie ein kleines Kind. Und ich stelle mir vor, wie es wäre hier regelmäßig meinen Wocheneinkauf zu machen.
Im Anschluss – als wir von all dem Obst schon fast satt sind – führt Tom uns in ein örtliches Lokal, in dem er gern isst, wenn er hier ist. Wir müssten uns heute wieder selbst versorgen und sind denke ich alle froh, um diesen einfachen Weg der Empfehlung. Erst hier erfahre ich, dass Nasi Goreng nichts anderes bedeutet als gebratener Reis. In Deutschland hielt ich das immer für ein ganz spezielles Gericht.

Zeit für den Abschied

Zurück im Hotel heißt es dann Abschied nehmen. Denn ich bin die einzige von uns, die noch ein paar Tage länger bleibt. Alle anderen fliegen am nächsten Tag zurück nach Deutschland. Zu meiner Überraschung ist Ulla die erste die mich zum Abschied umarmt. Es folgen alle anderen, die mir versichern wie schön es war mich kennenzulernen. Das ist natürlich nett. Andererseits sage ich Gudrun ja auch nicht zum Abschied, dass sie mir auf die Nerven ging und Ulla, dass ich sie doof fand.
Besonders der Abschied von Tom schmerzt mich. Ich werde seine Art die nächsten Tage sicher noch vermissen. Aber er hat mir für den nächsten Tag einen Ausflug zum Kinabalu Park organisiert und mir einige Tipps gegeben, was ich hier machen kann, wo ich am besten Schnorcheln gehe und so.
Der Abend beschließt sich für mich mit einem Besuch im nahen Supermarkt, um Wasser zu kaufen und bei einer Bank Geld abzuheben. Angelika und Ralf begleiten mich, da sie auch noch etwas besorgen müssen. Durch all das Trinkgeld für Sam und Tom ist die Reisekasse leer und der morgige Ausflug möchte in bar bezahlt werden.
Bin ich traurig? Ich bedaure, dass die Rundreise schon rum ist, ja. Ich bedaure auch, den Abschied von Tom. Aber die Reisegruppe an sich wird mir nicht fehlen. Und ich freue mich auf die nächsten Tage, in denen ich selbst bestimmen kann was ich mache.

 

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