Spenden – Wem, was und warum überhaupt?

Die Adventszeit geht los und damit auch die Buhlerei verschiedenster Organisationen um Spendengelder. Ich habe eine Weile überlegt, ob ich es tun soll, aber ja, ich will das trotzdem zum Anlass nehmen, um mal darüber zu schreiben. Denn ich glaube, dass für viele das Thema schon interessant und wichtig ist. Aber das viele eben auch irgendwie überfordert sind.
Wer „verdient“ meine Spende mehr? Ein einzelnes Kind, dem ich die Schulbildung ermöglich kann? Das Dorf, dem damit ein Brunnen gebaut werden kann? Die aussterbende Tierart im Himalaya? Streunende Hunde auf Mallorca? Der bettelnde Obdachlose auf der Einkaufsstraße? Die Möglichkeiten etwas Gutes zu tun sind vielfältig.
Und doch kennen wohl auch viele die Bedenken und Vorurteile: Kommt das Geld denn wirklich dort an, wo es hin soll? Erhält das Kind meiner Wahl tatsächlich Bildung? Wird der Brunnen wirklich gebaut oder versickert mein Geld in der Organisation? Was wird mit dem Geld überhaupt gemacht? Versäuft der Bettler die Kohle nicht nur, die ich ihm gebe!?
Das waren zumindest die Fragen, die ich mir stellte und die mich viele Jahre lang abgehalten haben, überhaupt etwas zu geben. Und dabei habe ich wirklich mehr als genug. Sicherlich auch mehr als viele andere Menschen die Arbeiten.
Erst vor etwa zwei Jahren habe ich endlich etwas unternommen. Eine Freundin berichtete mir von einer Organisation, die sich um Obdachlose kümmert. Obdachlose gibt es hier in Stuttgart offenbar mehr als genug. Sachspenden waren gewünscht. Aber die Umsetzung haperte schlicht an den Öffnungszeiten des Büros, die sich nicht mit meinem Arbeitszeiten vereinbaren ließen. Und zuschicken war komischerweise auch nicht möglich.
Aber ich ging immerhin zunächst aufmerksamer durch meine Stadt. Nach kurzer Zeit fiel mir dann auch endlich mal die Caritas-Einrichtung auf, vor der ich mehrmals wöchentlich auf den Bus warte. Dort können Obdachlose etwas zu essen und zu trinken bekommen, sie können duschen und auf Toilette gehen, sie können dort ihre Wäsche waschen und aus der Kleiderkammer neue Bekleidung erhalten. Und die Menschen die dort arbeiten sind alles Freiwillige. Das fand ich eine gute Sache.
Da dort hauptsächlich Männer verkehrten, machte und macht es wenig Sinn, dort meine alten Klamotten abzugeben. Nach wie vor wollte ich aber auch nicht einfach Geld geben, weil eben doch ein letzter Rest Misstrauen da ist. Also habe ich mich einfach erkundigt, was denn dort genau benötigt wird. Die Antwort war ebenso logisch wie einfach: Sanitärartikel wie Deo, Einwegrasierer, Duschgel, etc., natürlich Männerbekleidung und haltbare Lebensmittel. Also habe ich mich gerade was die Sanitärartikel angeht nach günstigen Angeboten umgeschaut. Schließlich habe ich Deo nicht in rauen Mengen zuhause rumstehen. Inzwischen gebe ich mehrmals im Jahr ein paar der benötigten Sachen dort ab.
Und seit ich begonnen habe zu stricken, sammle ich von überall her Wollreste. Daraus werden dann mehr oder minder schicke Schals oder Pulswärmer. Für Mützen bin ich leider zu untalentiert. Aber da gab es im Internet für 2Euro je Stück welche zu kaufen – da muss ich mir die Arbeit echt nicht machen. Das Stricken macht mir Freude, meine Familie ist ohnehin mit Schals und so Zeug eingedeckt, also bekommt es die Caritas.
Und auch einen Obdachlosen habe ich mir „ausgesucht“, dem ich regelmäßig etwas spende. Ich laufe oft an ihm vorbei. Manchmal bekommt er Lebensmittel, die ich nicht mehr verbrauchen kann, wie Obst oder ähnliches. An anderen Tagen gebe ich ihm Geld. Im letzten Winter habe ich ihn einfach gefragt, was er denn braucht. Er wünschte sich einen Rollkragenpullover. Also habe ich nach seiner Größe gefragt und ihm einen besorgt. Ich grüße ihn immer, wenn ich ihn sehe.
Manchmal – habe ich mir sagen lassen – ist es nicht die fehlende Spende die schmerzt, sondern die fehlende Aufmerksamkeit und der Respekt. Nicht jeder Bettler ist ein Schmarotzer. Und Obdachlose leben in der Regel nicht aus Jux und Dollerei auf der Straße und schon gar nicht sind sie alle Alkoholiker. Ein freundliches Wort, ein Lächeln ist auch was wert und kostet nichts.
Bei den Verkäufern der Straßenzeitung Trottwar beispielsweise sind die Menschen nicht untätig. Sie arbeiten, um sich etwas Geld zu verdienen. Ihnen die Zeitung abzukaufen ist eine Hilfe. Gerade an kalten Tagen frage ich dann auch gern nach, ob ich ihnen etwas Warmes zu trinken spendieren darf.  In der Regel gibt es in der Nähe irgendeinen Laden der Kaffee oder so verkauft. Das tut mir nicht weh und beschert meinem Gegenüber für einen Moment warme Hände.
Auch beim Kinderwunschbaum mache ich dieses Jahr wieder mit. Im Rathaus steht ein großer Weihnachtsbaum an dem alljährlich 1500 Wünsche von sozial benachteiligten Kindern hängen. Jeder der möchte, kann hingehen und sich einen Wunsch (oder mehrere) aussuchen, das Geschenk in einem begrenzten Wert kaufen und es im Rathaus wieder abgeben.
Es gibt also viel mehr Möglichkeiten als einfach nur einen Scheck auszufüllen, wenn man Angst hat, das Geld würde unlauter verwendet. Wenn Ihr gern etwas spenden oder Euch engagieren würdet, aber nicht richtig wisst, wo und wie, dann schaut Euch in Eurer Umgebung um. Sich Zeit zu nehmen, um vielleicht für jemanden einkaufen zu gehen oder ihm etwas vorzulesen, mit ihm spazieren zu gehen, klingt total spießig, aber ist genauso eine Spende. Kleidung, die Ihr nicht mehr anzieht, ist bei einer Kleidersammlung besser aufgehoben als im Kleiderschrank.
Es muss nicht unbedingt das hungernde Kind auf einem fernen Kontinent sein und Ihr müsst auch nicht die Welt retten. Sich um Familie, Freunde und Nachbarn kümmern, ist mindestens genauso wichtig. Es muss noch nicht einmal eine Geld- oder Sachspende sein, wenn Ihr selbst nicht viel habt. So abgedroschen das klingt, ein Lächeln und ein freundlicher Gruß, wärmt auch ein Herz.

So, jetzt habe ich genug moralapostelt. Mich würde interessieren, wie Ihr zum Thema Spenden steht. Engagiert Ihr Euch irgendwo/wie? Oder nervt Euch diese ganze Bettelei im TV und auf den Straßen? Ich freu  mich auf Eure Meinungen.

3 Gedanken zu “Spenden – Wem, was und warum überhaupt?

  1. Ich finde es beeindruckend, dass Du mit offenen Augen durch die Straßen gehst und siehst wo du helfen kannst! Es ist oft so einfach zu helfen. Bei uns steht vor dem dm immer eine junge Frau die die Obdachlosenzeitung verkauft, bei jedem Wetter, egal wie kalt es ist. Wir kennen uns schon, wir grüßen uns, und natürlich kaufe ich ihre Zeitung und runde den Betrag auf. Sie hat soviel weniger als ich.
    Zur Bekleidung, letzte Woche kam eine Kollegin zu uns und erzählte, dass die Familienzentren in einigen Stadtteilen von Duisburg vom der Zahl der weiter zunehmenden Flüchtlingen überfordert sind und kaum noch Bekleidungs- und Sachspenden haben. Okay, da kann man bestimmt was tun – nach einem email Rundruf im Bekanntenkreis hatte ich danach tatsächlich 3 Kombiladungen Sachspenden, mein Auto war voll bis obenhin, die ich dort im katholischen Familienzentrum abgeben konnte. Dort hat man sich so gefreut, dass ich seitdem von dieser absolut positiven Erfahrung beflügelt bin und davon auch etwas an all die anderen Spender weitergeben konnte……. das ist ein viel schöneres Gefühl als Geld zu spenden!
    Das deckt sich mit Deinen Erfahrungen, manchmal ist eine Sachspende wertvoller als Geld 😉 und eigentlich jeder von uns hat immer etwas übrig.

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    • Hi Suzy,
      danke Dir für den schönen Kommentar. Es ist toll, wenn Du auch andere motivieren konntest etwas zu spenden. Das ist mir bisher noch nicht so recht gelungen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. 🙂
      Ganz liebe Grüße aus Stuttgart.
      Sanne

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  2. Pingback: Der Ausgleich | Wortgestalten

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