Oh Captain! Mein Captain!

Als ich heute Morgen vom Tod des Schauspielers Robin Williams erfuhr, konnte ich es kaum glauben. Er war gerade mal 63 Jahre alt. Ich bin traurig und fühle mit seiner Familie und seinen Freunden.

Natürlich habe ich den Menschen Robin Williams nie kennengelernt. Dennoch schmerzt es mich von seinem Tod zu hören. Und man möge mir verzeihen, dass ich hier überhaupt etwas dazu schreibe, aber irgendwie ist es mir ein Bedürfnis.

Wenn ich seinen Namen höre, denke ich als erstes an „Der Club der toten Dichter“. Einer meiner Lieblingsfilme überhaupt. Wie Williams als Lehrer John Keating an einer traditionellen Schule seine Schüler eigenständiges Denken lehrt, ihnen Mut zuspricht, Selbstvertrauen vermittelt. Wie er für Todd Anderson, Neil Perry und Knox Overstreet zu einem Vorbild wird. Wie seine Schüler ihn am Ende des Films mit der Anrede „Oh Captain! Mein Captain!“ Ehre erweisen. Der Film hat mich der britischen Poesie näher gebracht. Nicht zuletzt dem „Sommernachtstraum“.

Natürlich kenne ich Robin Williams auch aus anderen Filmen. Er hat mich nicht in jeder Rolle überzeugt („One Hour Photo“ oder „Jumanji“) In anderen Filmen wiederum war er die ideale Besetzung („Der Club der toten Dichter“, „Good Will Hunting“, „Mrs. Doubtfire“, „Good Morning, Vietnam“, „Hook“) Als Schauspieler fand ich ihn sehr wandelbar und begabt, als Mensch charismatisch und sympathisch. Ich hatte immer den Eindruck, einen besseren Kollegen, Freund und auch Mentor als ihn kann man kaum haben.

Auch wenn manche das so sehen, ich finde es nicht albern oder gar pietätlos um einen Verstorbenen zu trauern, den man persönlich nicht kannte. Schauspieler, Sänger und natürlich Autoren, sind genauso ein Bestandteil meines Lebens wie Freunde, Familie und Kollegen. Sie helfen mir mit ihren Büchern, Filmen, ihrer Musik, ich lerne dank ihnen oder fühle mich einfach besser. Manche begleiten mich nur ein kleines Stück, andere bleiben mitunter mein ganzes Leben.

Genauso ist es bei Robin Williams für mich. Obwohl ich auch in den letzten Jahren nicht mehr viel von ihm gehört habe, habe ich immer wieder gern an ihn und seine Filme gedacht. Ich bedaure seinen Tod. Und unabhängig von den Umständen, wünsche ich seiner Familie Kraft und Mut und Zusammenhalt.

Ganz klar, dass heute ein DVD-Abend eingelegt wird.

Oh Captain! Mein Captain…

4 Gedanken zu “Oh Captain! Mein Captain!

  1. Es ist so traurig…

    Das mit der Trauer ist ja Gott sei Dank etwas sehr persönliches, wo keiner sich ein Urteil erlauben darf! Und wenn man um eine Person der Öffentlichkeit trauert, dann ist das nun mal so! Wenn ich bedenke, hat Mr. Williams mich seit meiner Kindheit begleitet, sein Gesicht, seine Art ist immer irgendwie präsent! Das fing mit Mork vom Ork an, als ich Kind war…

    Ich denke, viele auf dieser Welt werden trauern, ihn vermissen…

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    • Hallo Sabine,
      danke für Deinen Kommentar.
      Ja, es sollte jedem selbst überlassen sein wie man trauert – und um wen. Ein Urteil bilden sich trotzdem viele. Seis drum.
      Robin Williams war einer der vielseitigsten Schauspieler die ich kenne. Welcher Komiker ist schon so überzeugend auch in ernsten Rollen? Mir fällt sonst niemand ein. Als Mork vom Ork habe ich ihn leider nicht kennengelernt bisher. Vielleicht wird das ja noch.
      Liebe Grüße
      sanne

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  2. Hallo Sanne,

    mir geht es genauso wie dir. Seitdem ich von seinem Tod gelesen habe, bekomme ich diese herzergreifende Szene aus dem „Club der toten Dichter“ nicht mehr aus dem Kopf. Ohne seine hervorragende schauspielerische Leistung hätte ich wohl nie angefangen, Walt Whitman zu lesen. Onkel Walt. Ich verdanke ihm die Liebe zu großer amerikanischer Poesie.
    Ich erinnere mich auch an einen Moment, als ich noch klein war. Damals lief „Hook“ im Fernsehen und ich wollte mir den Film mit meinen Eltern ansehen. Aber als die kleine Elli begriffen hat, dass Peter Pan doch erwachsen geworden ist und sich nicht mehr an das Nimmerland erinnert, habe ich fürchterlich angefangen zu weinen und konnte nicht weiter gucken. Ich war überhaupt nicht zu beruhigen; meine Eltern haben die Situation nur dadurch in den Griff bekommen, dass sie mich in ein anderes Zimmer vor die Disney-Version von „Peter Pan“ gesetzt haben. Auch heute noch ist „Hook“ für mich ein sehr emotionaler Film; ich muss bis heute schlucken, wenn ich erlebe, was aus dem Held meiner Kindertage geworden ist. Robin Williams hat Peter Pan lebendig werden lassen und ihm ein Happy End geschenkt. Und obwohl ich seinetwegen Sturzbäche vergossen habe, bin ich ihm jetzt dankbar, dass er mich noch einmal an die Botschaft aus „Peter Pan“ erinnert hat: wir alle müssen erwachsen werden. Aber niemals zu sehr.
    Gute Reise Robin Williams. Ich werde dich vermissen.

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    • Hallo Elli,
      danke für Deine Nachricht. Bin ich doch nicht alleine mit meiner Fan-Trauer, wie auch der Kommentar von Sabine zeigt.
      Ich habe Robin Williams als Schauspieler zwar erst im Erwachsenenalter kennen- und schätzen gelernt, aber ich kann mir die kleine, untröstliche Elli gut vorstellen. Auch wenn es keine glückliche Erinnerung ist, bleibt es doch ein besonderer Moment, den Du mit dem Film und Robin Williams verbindest. Und das ist sehr viel wert, wie ich finde. Und die Botschaft, die Du mitgenommen hast ebenso.
      Liebe Grüße
      sanne

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