BüRü: Zoran Drvenkar: Sorry

Schon bevor ich diesen Blog hier gestartet habe, schrieb ich Rezensionen. Darunter waren viele Bücher, die mich in irgendeiner Weise (in der Regel positiv) beeindruckt haben. Und es wäre schade, wenn man sich immer nur mit Neuerscheinungen beschäftigt ohne auch mal zurück zu blicken. Daher möchte ich Euch unter der neuen Kategorie „Bücherrückblick“ – kurz BüRü – eben die Bücher vorstellen, die zwar nicht neu, aber eben für mich sehr nachhaltig sind. Viel Spaß dabei.

Es stinkt Kris gewaltig, dass sich heutzutage offenbar niemand mehr richtig entschuldigen kann. In seinen Augen sind Entschuldigungen unglaublich wichtig. Nicht nur wenn man einen Fehler gemacht hat und diesen wieder ausbügeln will. Kaum jemand scheint das so zu sehen wie er. Wohl nicht einmal seine Freunde. Und trotzdem haben sie gemeinsam eine Idee. Neu, ungewöhnlich, aber vor allem am Puls der Zeit.

sorryGemeinsam gründen Kris, sein Bruder Wolf und die Freundinnen Tamara und Frauke die Agentur „Sorry“. Sie entschuldigen sich für alles und jeden in der Geschäftswelt, solange die Kunden nur genügend zahlen. Und das tun sie. Mehr als erwartet. Ihr Konzept schlägt ein wie eine Bombe und auf lange Zeit sind die vier Berliner ausgebucht. Vom Verdienst kaufen sie eine Villa am kleinen Wannsee, leben und arbeiten dort zusammen.
Die Brüder Kris und Wolf sind im Außendienst und entschuldigen sich. Tamara und Frauke schmeißen hingegen den kaufmännischen Kram. Einer der Aufträge führt Wolf nach Kreuzberg in ein altes Mietshaus. Am Ziel angekommen kann er kaum glauben, was er sieht und erledigen soll. In einer ansonsten leeren Wohnung ist eine Frau an die Wand genagelt. Bei ihr soll er sich entschuldigen. Für den Täter.
Damit nicht genug. Er und seine Kollegen sollen die Leiche auch noch entsorgen und alle Spuren verwischen. Um sicher zu gehen, dass seine Wünsche auch erfüllt werden, droht der Mörder ihnen schon einmal vorsorglich mit der Behelligung ihrer Liebsten. Die jungen Unternehmer beratschlagen und bis auf Frauke sind sie sich einig, dass sie kaum eine Wahl haben.
Sie befolgen die Anweisungen und entgehen sogar den Fängen der Polizei, die Frauke ihnen auf den Hals hetzt. Allerdings sind sie selbst überrascht und ratlos, als die Polizei die Leiche nicht dort findet, wo sie sein sollte. Wo ist die tote Frau? Wer hat sie entführt? Und vor allem woher wusste derjenige von ihrem Grab?
Kris, Wolf und Tamara verkommen innerhalb weniger Tage zu nervlichen Wracks. Frauke hat sich von ihnen abgewandt und ist ausgezogen. Die Anspannung in der Villa nimmt zu. Langsam versucht Kris dem Mörder auf die Spur zu kommen. Einige Daten musste dieser bei seiner Beauftragung angeben. Sollte er so blöde (oder überheblich) sein und seine richtigen Daten angegeben haben?
Wenig später folgt der zweite Auftrag. Kris und Tamara kümmern sich dieses Mal alleine um die Erledigung. Sie hoffen, dass der Täter Wort hält und damit die ganze Geschichte ein Ende hat.
Doch dann verschwindet Wolf. Und Kris wagt einen Alleingang.

Extrem verstörend

Dieses Buch ist einfach nur verstörend. Hauptsächlich von der Story und den Ereignissen her, aber ein bischen leider auch vom Schreibstil. In jedem Fall ist er ungewöhnlich, was allerdings grundsätzlich nichts schlechtes ist. Spricht der Autor am Beginn den Leser noch direkt an, wechselt er für die verschiedenen Erzählpersonen auch die Perspektive. Und es gibt nicht weniger als vier Perspektiven. Zudem sind die Kapitel in „Davor“ und „Danach“ eingeteilt. Im Laufe des Buches kann der Leser anhand der Perspektive zwar ausmachen, welchen der Protagonisten er gerade begleitet, am Anfang ist es jedoch sehr verwirrend.
Der Thriller ist nichts für schwache Nerven. Die Spannung hält von Anfang bis Ende ein hohes Niveau. Die Story an sich gleicht darüber hinaus einem hakenschlagenden Hasen auf der Flucht. So viele unerwartete Wendungen und Ereignisse machen das Buch doppelt spannend. Mehrfach habe ich beim Lesen die Luft angehalten, um dann regelrecht aus der Bahn geworfen zu werden von der nächsten überraschenden Wende.
Leider kann der Schluss nicht ganz mit der Story mithalten. Es ist zwar bis zum Ende spannend, aber mit einem Mal ist halt Feierabend. Man sucht als Leser quasi die fehlenden Seiten, weil man den Eindruck hat, es müsste doch noch was kommen. Die Aufklärung ist für meine Begriffe nicht ganz befriedigend bzw. klingt irgendwie ein bischen lahm.
Dennoch, möchte ich das Buch aufgrund des ungewöhnlichen Stils und der wie gesagt verstörenden und schockierenden Geschichte sehr empfehlen. Thrillerfreunde werden ihre helle Freude haben.

Autorenporträt
Zoran Drvenkar wurde 1967 in Kroatien geboren und zog im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern nach Berlin. Seit 1989 arbeitet er als freier Schriftsteller und lebt jetzt in einer alten Kornmühle in der Nähe von Berlin. Er ist der Autor vielfach ausgezeichneter Kinder- und Jugendbücher, unter anderem schrieb er unter Pseudonym den Bestseller Die Kurzhosengang. 2003 erschien sein Psychothriller Du bist zu schnell, der zurzeit verfilmt wird. In Zusammenarbeit mit Gregor Tessnow entstand nach dessen Roman das Drehbuch zu Knallhart, das 2006 unter der Regie von Detlev Buck verfilmt wurde.

Buchinfo
“Sorry“ Thriller von Zoran Drvenkar, erschienen bei Ullstein
Taschenbuch: erschienen 2010, Broschur, 400 Seiten, € 9,99, ISBN-13: 978-3548281834
(Das Buch ist im Ullstein-Programm leider nicht mehr enthalten.)

Quellen
Bild+Autorenporträt: www.ullsteinbuchverlage.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

Kennt Ihr dieses Buch? Wie hat es Euch gefallen? Ich freue mich auf Eure Meinungen.

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