Anekdoten aus Schottland 5: Von Whisky und noch mehr Schafen

Am nächsten Morgen erwartet mich mein erstes echtes schottisches Frühstück: Toast, warme Tomaten, Würstchen, Bacon, Rührei, Bohnen und Blutwurst. Dazu gibt es Kaffee. Ich probiere von allem und entscheide was zukünftig bei der Frage „Full scotish Breakfast?“ auf meinen Teller darf.

Whiskey am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen...

Whiskey am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen…

Mein erster Weg führt mich direkt zur Talisker Distillery. Ich werde an einer Führung teilnehmen und mir mal ansehen wie aus einem schnöden Gerstenkorn ein Single Malt wird. Wer möchte nicht morgens halb zehn statt des in Deutschland üblichen Knoppers einen kleinen Whisky zu sich nehmen? Aber sind wir ehrlich – ich habe keinen getrunken. Zwar sind in Großbritannien auch 0,8 Promille möglich am Steuer, aber als Tourist und Neuling im Linksfahren, möchte ich da lieber kein Risiko eingehen. Im Reiseführer steht ohnehin, wenn man freundlich fragt, bekommt man statt des Probier-Whisky am Ende der Führung ein kleines Probe-Fläschchen mit.

Der Kartenverkäufer ist ein bulliger großer Mann, der enthusiastisch und freundlich die Karten für die verschiedenen Führungen ausgibt. Ich bin bei der ersten dabei. In einer recht angenehmen Gruppe von 15 Leuten werden wir durchs Gebäude geführt. Uns wird erklärt, wie die Gerste getrocknet wird, warum Talisker so besonders rauchig ist, wie die Maische entsteht, wozu die Brennblasen gut sind und wie der Whisky gelagert wird. Es herrscht absolutes Fotografierverbot. Dank des feinen Gerstenstaubs in der Luft gilt Explosionsgefahr. Am Ende der Runde gibt es tatsächlich einen Whisky zum probieren. Ich habe aber die Arschkarte, denn nach meinem Probe-Fläschchen zum Mitnehmen frage ich vergebens. Dass muss ich dann noch kaufen. Finde ich nicht so schön, schließlich ist bei den anderen der Alkohol ja im Führungspreis inbegriffen. Ich löhne nochmal 3,50 Pfund für so eine popelige kleine Flasche Talisker. Jetzt will ich das Gesöff schon probieren.

Es geht weiter über Skye zu verschiedenen landschaftlich interessanten Punkten: dem Kilt Rock und dem Old Man of Storr beispielsweise. Ersterer ist ein Wasserfall ins Meer, der vom Meer aus gesehen wie die Falten eines Kilts ausschaut. Dummerweise guckt man nicht vom Meer, sondern hat nur einen Aussichtspunkt von nebenan.

Letzterer ist ein einzelner aufrecht stehender Stein größeren Ausmaßes. Eigentlich nur im Profil so richtig zu erkennen. Und wahrscheinlich wenn man direkt davor steht. An dieser Stelle muss ich denn auch meine Faulheit eingestehen. Ich habe mich zwar auf den Weg gemacht, um den Old Man zu besuchen, aber angekommen bin ich nicht. Über einen unbefestigten Weg durch abgeholztes Gelände ging es ein ganzes Stück bergauf. Und vor dem Hintergrund einer dunklen Felswand, war der Old Man gar nicht mehr zu sehen und auch nicht mehr abzuschätzen wie weit es eigentlich noch ist. Ich bin also (vermutlich) bei der Hälfte des Weges wegen akuter Untrainiertheit umgedreht und habe mir am Auto einen halben Liter Wasser in den Hals geschüttet.

Habe ich übrigens schon erwähnt, dass es ziemlich warm war? Das Wetter hat es echt gut mit mir gemeint: Sonne, kein Regen, ausnahmslos Temperaturen über 20°C.

Das Schafinferno - Scheren bis zum Umfallen

Das Schafinferno – Scheren bis zum Umfallen

Zurück in Richtung Festland komme ich an einem Schafinferno vorbei. Klar halte ich an! Bin auch nicht die Einzige. Dicht an der Straße wird eine riesige Herde Schafe geschoren. Rechts sind die „Vorher“ und links „Nachher“. Das Geblöke der Tiere ist ohrenbetäubend.

Drei Scherer rasieren in Windeseile ein Schaf nach dem anderen. Die Tiere sind aufgeregt. Zwei weitere Helfer sammeln die Felle ein. Auf dem Boden ein weißer Teppich aus Schafwolle. Sie fühlt sich rau und irgendwie fettig an. Ich stecke ein Stück davon ein.

Eine ganze Weile beobachte ich die Arbeiter und die Tiere. Fotos sind natürlich auch ein Muss. Schließlich drängt es mich zur Weiterfahrt. Mein Tourplan ist vollgepackt und lang.

Ich lasse es mir trotzdem nicht nehmen, ausnahmsweise zwei Tramper aufzugabeln. Die beiden Jungs haben riesige Kraxen dabei und wir haben Mühe das Gepäck und die zwei Kerle in meinem kleinen Gefährt unterzubringen. Denn der Kofferraum ist schon voll mit meinem Gepäck. Eine Kraxe kriegen wir gerade noch rein. Irgendwie quetscht sich einer der Jungs auf den Rücksitz und nimmt die zweite Kraxe mit sich. Sein Kumpel fällt auf den Beifahrersitz. Die beiden kommen aus Tschechien und trampen durch Schottland. Sie besteigen auch den ein oder anderen Berg. Die Fahrt ist kurzweilig und in der nächsten größeren Stadt trennen sich unsere Wege wieder. Ich verlasse Skye schließlich über eine Brücke und bin wieder auf der Hauptinsel.

Mehr Anekdoten aus Schottland findet Ihr HIER

10 Gedanken zu “Anekdoten aus Schottland 5: Von Whisky und noch mehr Schafen

  1. Es ist ungünstig, sich so vorzustellen – aber der schottische Whisky wird ohne „e“ geschrieben, der Irische mit 😀
    Es ist wunderbar Deine Berichte zu lesen, denn an einigen Orten war ich selbst schon oder ich habe einige der Gepflogenheiten selbst schon erlebt (wie mein allererstes Full Breakfast *schüttel*). Einfach herrlich, ich Danke Dir! Vlg Davina

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    • Hi davina77,
      ich bin Dir sogar dankbar für den Hinweis. 🙂 Ich gestehe zwar mir gefällt dann von der Schreibweise her der irische Whiskey besser, als der schottische, aber in Irland war ich leider noch nicht. 😉
      Es freut mich, dass Dir die Anekdoten aus Schottland gefallen. Ich kann Dir versichern es kommen noch viele mehr. Die haue ich alle nach und nach raus. 😉
      Viele liebe Grüße
      sanne

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      • Hi Sanne, da freu ich mich schon drauf. Und da ich in 21 Tagen wieder im gelobten Land sein werde, wird´s von mir wahrscheinlich jeden Tag zumindest mal ein Bild geben (sofern ich das mit meinem Datenvolumen hinbekomme :-D)
        Gvlg Davina

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      • Hey Davina,
        sei Dir meines Neides gewiss. Ich würde Dich gern begleiten, wenn mein Geldbeutel sich nicht strikt weigern würde. 😦 Ich wünsche Dir schon mal viel Spass und tolles Wetter. 🙂
        Liebe Grüße sanne

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      • Tja, tröste Dich – mein Geldbeutel hat sich erhängt. Ich müßte eigentlich alles canceln, weil ich schlimm in die (SORRY) Scheiße gerutscht bin (Auto kaputt, mehr Nachzahlung als erwartet (Wohnung) ….)
        Aber dann bleibe ich auf ca. 400 € Kosten sitzen, die ich schon gelöhnt habe für den Urlaub.
        Übrigens, meine Urlaube haben bisher immer zwischen 800 und 900 € gekostet. Ist also nicht soooo schlimm. Man muß nur wissen, wie. Und hart dafür arbeiten, das Geld zusammen zu bekommen. Gvlg Davina

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      • Ohje, das klingt tatsächlich alles andere als prickelnd. Da würde mir die Entscheidung irgendwie nicht leicht fallen.
        Ich gestehe, mein Urlaub hat deutlich mehr gekostet. Ich wusste halt noch nicht „wie“ 😉 Jetzt spare ich erst mal Geld für einen anderen großen Urlaub, der nächstes Jahr stattfinden soll.
        Liebe Grüße sanne

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      • Wo soll´s denn hingehen?
        (PS: In dem genannten Betrag sind B&Bs, Flug, schönes Mietauto, Attraktionen und Verpflegung enthalten …. also muß ich auch nicht wirklich Abstriche machen)

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      • Oha, das klingt ja schon fast nach einem Schnäppchen. Du MUSST mir Deinen Reiseveranstalter verraten. 😉

        Mein nächster Urlaub soll nach Ecuador und auf die Galapagos-Inseln gehen. Also ein wenig weiter als bis auf die Insel. 🙂

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  2. Pingback: Anekdoten aus Schottland 20: Die letzte Nacht – mit Vera | Wortgestalten

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