Fabian Sixtus Körner: Mit anderen Augen

Für den vor einigen Jahren als Journeyman bekannt gewordenen Fabian Sixtus Körner beginnt ein neues – vielleicht sein größtes – Abenteuer: er wird Vater. Wie wird es sein so als Familie? Fest verwurzelt an einem Ort? Keine Reisen mehr? Wie wird er aussehen, der Alltag zwischen Geld verdienen, Verantwortung und Windeln wechseln? Das neue Buch des Journeyman ein Rückblick auf das alte, eine Bestandsaufnahme der Gegenwart und ein Ausblick auf das neue Leben.

„Und da ist sie wieder. Die Frage nach dem Warum. Warum Wir? Warum Yanti? Wir haben doch alles dafür getan, dass wir eine gesunde, für ein unabhängiges Leben gewappnete Tochter bekommen.
Erst als die Nachtschwester Marion zu später Stunde wie beiläufig eine Bemerkung macht, wird mir wieder bewusst, dass alles eine Frage der Betrachtungsweise ist, des Blickwinkels. »Man kann sich sein Kind nicht aussuchen«, murmelt sie, … »es ist nämlich umgekehrt. Kinder suchen sich ihre Eltern aus. Und mit euch hat Yanti eine sehr gute Wahl getroffen.«“ (Zitat Seite 9)

_Mit anderen AugenDer Journeyman Fabian Sixtus Körner gründet eine Familie. Schon wenige Wochen nach dem Entschluss Eltern werden zu wollen, ist Nicos Schwangerschaftstest positiv. Trotz ihrer fernwehgeplagten und weltenbummlerisch veranlagten Eltern kommt Yanti in Berlin zur Welt. Für alle überraschend hat das kleine Mädchen das Down-Syndrom. Ihr Gesundheitszustand ist bedenklich und die ersten Wochen verbringt sie daher im Krankenhaus. Mama Nico weicht nicht von ihrer Seite und auch Papa Fabian ist täglich da.
Die ersten Nächte sind geprägt von quälenden Fragen über das Warum und die Zukunft. Fabian blickt außerdem zurück auf vergangene Reisen, sein Wieder-Kennenlernen von Nico, die gemeinsamen Jahre in denen er sich verändert hat. Auch auf seine Versuche Alternativen für seine Auszeiten im Ausland zu finden, um sich auf den vermeintlich einengenden Familienalltag in Deutschland vorzubereiten.
Trotz der gesundheitlichen Probleme von Yanti und der Aussicht, dass sie womöglich nie wird für sich selbst sorgen können, sind die frischgebackenen Eltern überglücklich über ihr kleines Mädchen. Sie lieben Yanti abgöttisch und halten fest zusammen. Und bald schon steht fest, dass es gar nicht nötig ist, aufs Reisen zu verzichten. Ganz im Gegenteil: die Ärzte sind ganz begeistert von der Idee mit dem kränklichen, erst wenige Wochen alten Kind in die Karibik zu fliegen. Dort wo es schön warm ist und die Meeresluft die Lungen stärken kann.
Also steigen Fabian, Nico und Yanti nicht lange nach der Geburt in den Flieger, um den trüben Winter in Deutschland zu entkommen.

Das Buch atmet Liebe

Es ist noch nicht allzulange her, dass ich mich mit einer Reisebloggerin über das Thema Reisen mit Kind ausgetauscht habe. Selbst kinderlos hat Sarah alias „Rapunzel will raus“ mich schon weit über meinen Tellerrand hinaus blicken lassen. Nun noch die Erlebnisse von Fabian Sixtus Körner dazu zu lesen, zeigt mir endgültig, dass man mit Kind (egal ob gesund oder mit Einschränkungen) nicht zuhause sitzen muss.
Der selbst ernannte Journeyman gestattet hier einen ganz persönlichen Einblick in sein Leben. Zumal in ein sehr einschneidendes Erlebnis: die Geburt seiner Tochter. Dass Yanti mit einem Gen-Defekt geboren wird, ist für alle zunächst ein Schreck. Was mir aber sehr gut gefallen hat, ist der Zusammenhalt den Körner schildert und auch die positive Herangehens- und Denkweise. Wenn es da auch mehr innere Kämpfe gegeben haben mag, als er hier schreibt.
Letztendlich atmet das Buch regelrecht Liebe. Man verzeihe mir diesen womöglich melodramatischen Satz, aber so habe ich es empfunden. Abgesehen davon, dass der ungeschnörkelte Schreibstil vor meinem Auge ganz viele Bilder gezeichnet hat, habe ich auf jeder Seite gespürt, wie willkommen Yanti ist und wie sehr sie geliebt wird.
Außerdem vereint das Buch sehr schön mein Faible fürs Reisen und für persönliche Geschichten. Ich empfehle es sehr gern weiter.

Mehr Biografien:

Saroo Brierley: Lion
Hannah Brencher: Wenn Du diesen Brief findest
Anja Wille: Und trotzdem lebe ich weiter
Aron Ralston: Im Canyon
Lynsey Addario: Jeder Moment ist Ewigkeit

Autorenporträt
Fabian Sixtus Körner, geboren 1981, ist Designer, Fotograf, Innenarchitekt und Blogger. Anfang 2010 begann er die Welt zu bereisen und für Kost und Logis zu arbeiten. Innerhalb von zwei Jahren besuchte er alle fünf Kontinente, seit April 2012 lebt und arbeitet er in Berlin.

Buchinfo
„Mit anderen Augen. Wie ich durch meine Tochter lernte, die Welt neu zu sehen“ von Fabian Sixtus Körner, erschienen bei Ullstein Extra
Hardcover: Klappenbroschur, 224 Seiten, € 15,00, ISBN-13 9783864930607
eBook: ePub, 280 Seiten, € 14,99, ISBN-13 9783843717557

Quellen
Bild+Autorenpoträt: www.ullstein-buchverlage.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

 

Ein Gedanke zu “Fabian Sixtus Körner: Mit anderen Augen

  1. Pingback: MoFra: Inspiriert von Buchfiguren? | Wortgestalten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s